Gemischte Gefühle
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Die deutsche Krankheit - German Angst (Taschenbuch) Das Buch ist spannend und flott zu lesen, und ein sehr guter Einstieg für alle, die mit dieser Thematik bislang noch nicht vertraut waren.
Im Unterschied zu "Kriegskinder: Die vergessene Generation" versucht das Buch, den gesellschaftlichen Auswirkungen des Kriegskinderschicksals auf den Grund zu gehen. Im Mittelpunkt steht dabei die verdrängte Angst der Kriegskinder, die einerseits zu einem Tüchtigkeitsethos geführt hat, andererseits zu einem wohl nicht mehr zukunftsfähigen Sozialstaat, der alle Unwägbarkeiten absichern soll, aber oft genug vorhandene Energien lähmt.
Das Buch beginnt mit einer Vielzahl von Interviews mit prominenten Persönlichkeiten, die sicherlich mit einigem Tiefgang geführt worden sind, aber in der Aufarbeitung leider viel zu oberflächlich geraten sind. Einiges ist auch wirklich überflüssig: Warum Herr Blüm meinte, die Renten seien sicher, und ob das auf seine Kriegskindheit zurückzuführen ist - ja oder nein - kann selbst die Autorin nicht beantworten.
Im Gegensatz dazu bleiben einige ganz fundamentale Aussagen in den Interviews unbeleuchtet: Der kleine Junge (Wolf Biermann) erlebt den "Feuersturm von Hamburg" mit Toten und Verwüstungen, und die Mutter sagt ihm, die Angreifer sind unsere Freunde. Diese Aussage, die allem widerspricht was der kleine Junge direkt vor Augen hat, ist von Seiten der Mutter verständlich, aber für ein Kind eine ganz unfaßbare Störung seiner Wahrnehmung, die dazu führt, daß er dieser eigentlich nie mehr trauen wird. Sowas bleibt bei Bode unkommentiert, die lakonisch meint, schön, daß man es auch so sehen kann.
Bode und ich gehören unterschiedlichen Generationen an. Sie ist zwar nicht Teil der 68-er Bewegung, aber fühlt sich ihnen dennoch verständnisvoll verbunden. Dies führt zu einer teilweise unzulässigen Vermischung von "deutscher Schuld" und Traumata durch an Deutschen verübte Gewalt.
Verantwortlich dafür ist der Versuch ihre eigene Familiengeschichte aufzuarbeiten, nämlich die Angst ihr Vater könne etwas mit einem nahegelgenen KZ zu tun gehabt haben. Vielleicht hätte man als Autor diesen Faktor etwas objektiver betrachten müssen, denn so endet das Buch zwangsläufig dort, wo die Aufarbeitung der Vergangenheit fast immer endet: "Die Deutschen waren ja selber schuld!"
Für die ebenfalls psychisch beeinträchtigten Kinder einer Mutter, die als 6-jährige Dresden überlebt hat, eines Vaters, der als 9-jähriger die genozidale Eliminierung des Donauschwabentums überlebt hat, dabei aber Zeuge der Ermordung seines Vater wurde, einer Tochter, deren Vater als 12-jähriger in einem östlichen Bergwerk Sklavenarbeit verrichtete und dabei gefoltert wurde, die Enkelin einer Frau, die eine Milchkanne und zwei kleine Kinder auf dem Treck von Osten nach Westen schleppte (die Milchkanne ist in dieser Familie ein Heiligtum), die die ganze Schulzeit hindurch keine Stimme erhielten ist diese Vermischung nicht hilfreich und auch nicht fair.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 9. Januar 2009
Kundenrezensionen:
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1. Gemischte Gefühle (die aktuell angezeigte Rezension)
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