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Wenn Vergangenheit nicht vergehen will.
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# Es gibt ein deutsches Wort, welches in keiner anderen Sprache Verwendung findet: Besitzstandswahrung. Gemeint ist, dass einmal Erworbenes einen subjektiven Rechtsanspruch des Behaltens definiert, unabhängig von gesellschaftlichen Veränderungen. Dieses suggerieren Unternehmen ebenso wie der Staat bis zu einem Zeitpunkt, als die globale Wirklichkeit die gewünschte Regelmäßigkeit in Frage stellte. Unterstellt man hier eine deutsche Eigenart, dann liegt diese sicher in der Angst begründet, die aus erfahrener Willkür aus der Nazizeit ins Heute transportiert wurde.
Sabine Bode hat sich dieser Thematik bravourös angenommen. Sie unterstellt nicht einen wissenschaftlichen Anspruch, sondern nutzt in eleganter Weise die Methode der Erzählung und so werden Geschichten wirklicher Menschen zu einem fesselnden, aber auch bedrückenden Ereignis dieses Buches. Sie schafft es somit, auf Objektivität als das Maß der Dinge zu verzichten, wirkt damit niemals unseriös in der Darstellung und gewinnt durch subjektiv, persönliche Berichte den Schatten der Vergangenheit ins Heute zu übertragen. Einen Schatten, der genau diese Angst gebiert, die erstarrt wach hält und zu Verunsicherungen in der Politik wie im Leben beiträgt. Dieses Trauma wird solange präsent sein im Gefühl der Deutschen, wie in der Meinung im Ausland über die Deutschen, wie das Vergangene nicht tot, solange das Vergangene nicht einmal vergangen ist. Dieses Dauertrauma der lebendigen Vergangenheit wird durch das nicht enden wollende Schweigen erreicht, solange die Opfer der Leiden und Verluste nicht sprechen können, weil sie als Nation gleichzeitig die Täter waren.
Paul Ricoeur plädiert für eine Kultur des (Selbst) Verzeihens, die von einer Gedächtnisarbeit getragen wird, in der die Anerkennung der Erinnerungen der Anderen dem bloßen Wiederholen der Schuld ein Ende macht. So wäre Reden möglich ohne Angst vor der vergangenen Gegenwart oder noch gegenwärtigen Vergangenheit. Damit entwertet man sie nicht, sondern integriert sie erneut in den subjektiven Lebenskontext.
Eine Rezension von kpoac >
vom 10. Februar 2007 |