Eine unbequeme Wahrheit: Klimawandel geht uns alle an
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Tolle Abbildungen, kaum Text, wirre, nicht immer verlässliche Informationen
• • • • •   (bewertet mit 3 von 5 Punkten)

Diese Rezension bezieht sich auf die amerikanische Ausgabe. Über eventuelle Besonderheiten der deutschen Version kann ich nichts sagen.

Das Buch, in Wahrheit ein Bildband -- enthält so wunderbares Fotomaterial zum Planeten Erde, dass sich der Kauf auf jeden Fall lohnt. Dafür drei Punkte. Inhaltlich hatte ich bei einem so dicken Band auf einiges mehr gehofft, als der Film zu bieten hatte, und wurde schwer enttäuscht. Es gibt nicht einmal ein Inhaltsverzeichnis, der völlig ungeordnete, nicht in Kapitel unterteilte Text beschränkt sich auf Erläuterungen zu den Bildern in Großdruck. Das ist wohl dem amerikanischen Publikum geschuldet, dem man mehr als Bilder und Schlagzeilen nicht zuzumuten können glaubt (Umfragen zufolge lesen die meisten Amerikaner vom Ende ihrer Ausbildung bis ans Lebensende kein einziges Buch mehr). Ein seriöses Aufklärungsbuch zum Thema Klimawandel sieht anders aus. Ärgerlich wird die Textarmut und die inhaltliche Oberflächlichkeit der Texte, wenn man sieht, wo Gore dann doch Abschnitte mit viel Text in kleiner Schriftgröße wagt: Diese eingestreuten textreichen Abschnitte haben ausnahmslos die Familiengeschichte Al Gores zum Thema. Ärgerlich auch, dass die vielen inhaltlich wackligen und irreführenden Aussagen im Film, die ich auf das Format und seine Kürze zurückgeführt hatte, hier allesamt wiederholt werden, ohne den korrekten Kontext herzustellen oder schlicht und einfach, den Fehler zu tilgen. Wie im Film werden hier alle möglichen Phänomene auf den Klimawandel zurückgeführt, die nichts damit zu tun haben. (Z.B. das Wiedererstarken der Tuberkulose oder die Verschleppung des West-Nil-Virus von Israel in die USA durch Flugverkehr.) Teils scheint die Irreführung wissentlich zu geschehen, so beim Thema Hurricane Katrina, wo mit seitenweise Fotos von der Katastrophe suggeriert wird, das Desaster in New Orleans habe etwas mit der globalen Erwärmung zu tun. Das hat es jedoch nach heutigem Wissensstand nicht. Abgesehen davon ist an den Folgen nicht eigentlich der Wirbelsturm der mittelmäßigen Stärke 3 schuld  mit dem nach einer Hurrikan-Flautephase seit den siebziger Jahren früher oder später hier zu rechnen war  sondern die Tatsache, dass die Deiche nicht erneuert worden waren, so wie man die gesamte Infrastruktur der armen schwarzen Stadtteile verrotten ließ. Die herzzerreißenden Katastrophenbilder zeigen das Resultat menschenverachtender neoliberaler Kommunalpolitik und nicht die Folgen des Klimawandels. Erschwerend hinzu kommt, wie gesagt, dass die Formulierungen Gores den Eindruck vermitteln, er wisse sehr wohl, dass der Hurrikan Katrina aus klimawissenschaftlicher Sicht mit der globalen Erwärmung nichts zu tun habe, wolle es aber wegen des schönen Propagandaeffekts seinem Publikum dennoch suggerieren. Krampfhaft vermeidet er nämlich die klare Aussage, dass Katrina eine Klimawandelfolge ist (und die ihm angekreidet werden könnte), stellt aber den Zusammenhang durch Juxtaposition her. Hier wie an vielen anderen Stelle geht das meines Erachtens nach hinten los, indem Gore der in den USA so starken und gut informierten Skeptikerfraktion das Futter liefert, mit dem sie "belegen" können, dass dem Volk von den "Liberals" mit Lügen und Propaganda eine Klimakrise eingeredet werden soll, die in Wahrheit nicht existiert.
Ich möchte das Buch wegen der Bilder aus meinem Schrank nicht missen. Doch wer wirklich etwas lernen will, ist hier falsch aufgehoben. Auch uninformierten Personen, Jugendlichen gar, würde ich es nicht als Erstkontakt mit dem Thema empfehlen. Seriöse populärwissenschafliche Literatur ist das nicht, sondern in erster Linie ein Indoktrinationspamphlet, in dem es "für den guten Zweck" mit der Wahrheit nicht immer so genau genommen wird.
Eine Rezension von h'mph >
vom 4. Mai 2010
Kundenrezensionen:
27. Tolle Abbildungen, kaum Text, wirre, nicht immer verlässliche Informationen (die aktuell angezeigte Rezension)
26. Nichts für den fachlich interessierten Leser
25. Plakativ - aber fundiert und aufrüttelnd
24. Schönes Buch zu einem immer noch unterschätzten Thema
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